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Pressetext Rauchfaß

Ein zeitgenössisches Weihrauchfass für St.Martinus, Köln - Esch

Die über tausend Jahre alte Pfarrgemeinde St. Martinus in Köln–Esch hat in ihrem bedeutenden Kirchenschatz u. a. ein von dem Kölner Goldschmied Werner Hermeling 1851 gearbeitetes Weihrauchfass samt Schiffchen, das zusammen mit zwei Pollen und einem Tablett ein Ensemble bildet. Dessen Herkunft und Zusammengehörigkeit wurden erst nach einer fachgerechten Inventarisierung des Kirchenschatzes in den Jahren 2007/2008 festgestellt, u. a. an der Markierung des noch vorhandenen Löffelchens. Auf Wunsch des Erzbistums Köln und mit Zustimmung des Kirchenvorstandes von St. Martinus soll der Kirchenschatz in seinen wesentlichen Stücken eine angemessene Aufbewahrung und Präsentation in der Sakristei der alten Pfarrkirche finden. Mit Blick darauf werden auch das o. g. Weihrauchfass und das Schiffchen nicht mehr regelmäßig in der Liturgie genutzt, um so künftigen Generationen erhalten zu bleiben.

Damit wurde ein neues Weihrauchfass notwendig. Es sollte von einem zeitgenössischen Künstler in den Ausdrucksformen unserer Zeit und aus einem angemessenen Material gestaltet werden. Eher durch Zufall stieß der Pfarrer der Gemeinde, Andreas Paling, auf den in Bonn ansässigen spanisch–argentinischen Künstler Gonzalo Sainz Trapaga, dessen klare und kräftige Formensprache in Skulpturen aus Eisen, silbernen Schalen und Bechern bzw. in Papierarbeiten ihm spontan zusagten.

Ursprünglich wurde vom Pfarrer eine silbergetriebene Schale als Grundform eines Weihrauchfasses vorgeschlagen, wie sie bereits vom Künstler für andere Funktionen gearbeitet worden war. Es hätte nur noch einer künstlerisch- technischen Lösung der Aufhängung bedurft. Im Gespräch tendierte der Künstler aber mehr zu einer kastenähnlichen Form. Damit erübrigte sich auch das Problem der Aufstellung des Weihrauchfasses. Entsprechend dem „Credo“ des Künstlers, dass die Form der Funktion zu folgen hat, war zunächst nur an einen aus Sterlingsilber getriebene „Kasten“ gedacht, wobei „Kasten“ im Sinne von „Schatzkästchen“ verstanden wurde. Der besondere Akzent sollte in der Aufhängung an drei bordeauxfarbigen Stoffbändern bestehen, die einen reizvollen farblichen Kontrast zum Silber bilden.
Bei einem der weiteren Besuche im Atelier schlug der Pfarrer dem Künstler vor, etwas in seiner Formensprache auf dem Weihrauchfass zu „erzählen“. Aus einer ursprünglich angedachten Gravur dreier Kreuze - über eine Kante des „Kastens“ gezogen, im Fuß miteinander verbunden, das mittlere Kreuz nach oben geöffnet - wurde eine plastisch gestaltete Kreuzgruppe, die erst als solche im Zusammenspiel der höheren und tieferen Flächen erkannt werden kann. Der gemeinsame Fuß stellt die Verbundenheit Christ mit den Menschen im irdischen, dem Tod verfallenen Leben dar; das nach oben geöffnete Kreuz ist Hinweis auf die Dimension Gottes. Diesem Gedanken entspricht die Funktion des Weihrauchs als eines Zeichens der christlichen Existenz des Menschen: er lebt sein Leben in Verbindung mit dem Opfer Christi als Hingabe an Gott; seine Gebete und Bitten steigen zu Gott auf.

Die Mitarbeiterin des Künstlers, Frau Agnes Böger, entwickelte in Korrespondenz zum Motiv des Weihrauchfasses für den Deckel des Schiffchens ein halbiertes Kreuz.

Längere Schwierigkeiten bereitete der Wunsch, das Gefäß nicht an Ketten, sondern an Bändern aufzuhängen: Fachgeschäfte konnten nur konventionelle Bordüren liefern. Da kam der Künstler durch Zufall auf die simple Lösung, solche Bänder zu verwenden, die nach  einfacher Methode von jedermann/frau gestrickt werden können. Damit war auch das Problem des Verschleißes bzw. einer Verschmutzung der Stoffbänder und ihrer preiswerten Erneuerung gelöst, ganz abgesehen von der Möglichkeit, dass sich die Gemeinde auf diese Weise auch selber am Projekt des Weihrauchfasses beteiligen kann. Die Bänder selber sind an einem Ring befestigt, der die Form der Öffnung des Weihrauchfasses aufnimmt.

Die Übergabe des liturgischen Gerätes erfolgte auf Vorschlag des Künstlers im Rahmen der „Einweihung“ seiner neu bezogenen Geschäfts- bzw. Atelierräume in Bonn. Nach einer liturgischen und allgemeinen Begrüßung trug die Nachbarin des Künstlers, die ihm privat „Nachhilfeunterricht“ über die Funktion eines Weihrauchfasses gegeben hatte, den Psalm 141 vor: „Wie ein Rauchopfersteige mein Gebet vor dir auf“. Es folgte als Schriftlesung Ex 35,30 – 36,7: Die Beauftragung von Künstlern und Handwerkern. Daran schloss sich eine kleine Ansprache an, die die Bezüge des Schrifttextes zum „Hausherrn“ hervorhob, es folgte ein Segensgebet über die Geschäftsräume. In den Fürbitten wurden die Menschen in den Blick genommen, die mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen; die Künstler, denen Gott die schöpferische Kraft gebe, damit ihre Werke den Menschen Freude und Hoffnung schenken; die soziale Gerechtigkeit für alle arbeitenden Menschen. Die Feier schloss mit dem Vater Unser und dem Segen.

Stellvertretend für die Messdiener von St. Martinus nahmen der längste/älteste und einer der kleineren das Weihrauchfass in Empfang und setzten es sofort in „Betrieb“. Im Gespräch mit den größtenteils nicht kirchlich erfahrenen Teilnehmern des Festaktes stellte sich heraus, dass ein großes Interesse da war, zu erfahren, warum und wann Weihrauch im Gottesdienst verwendet wird und welches seine Bestandteile sind: Ein unverfänglicher Anknüpfungspunkt für ein Gespräch mit Menschen, denen die Liturgie und der Glaube der Kirche fremd geworden sind, die aber an einer adäquaten Formensprache kirchlicher Gefäße und Geräte Freude finden und so vielleicht etwas vom Geheimnis des Glaubens ahnen können.


Fürbitten:

Wir beten zu Gott, dem Geber aller Gaben:

Hilf allen, durch die Arbeit den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern.

       Du gibst den Künstlern schöpferische Kraft;
    schenke durch ihre Werke den Menschen Freude und Hoffnung.

    Schenke allen Menschen durch eine gerechte und soziale Ordnung Eintracht und Frieden.

    Bewahre alle, die hier arbeiten, vor Unfall und Schaden.